Narkose

Narkose

Eine Narkose ist im Allgemeinen nötig um schmerzhafte Eingriffe durchzuführen und dabei Abwehrreaktionen und Schmerzen zu vermeiden.

Eine gute Überwachung und die Bereitstellung von ‚erste Hilfe’ Maßnahmen ist dabei eine Grundvoraussetzung.

Die Zeiten in denen Katzen ohne eine ordentliche Voruntersuchung, einen Venenzugang oder einer ordnungsgemäßen Überwachung in Narkose gelegt werden, sollten längst vorbei sein!

Bei jeder Narkose kommt es unweigerlich zu einer Herz- Kreislaufdepression, die nur unter kontrollierten Verhältnissen ablaufen sollte. Dabei sinkt die Herz- und Atemfrequenz, die Körpertemperatur fällt ab, da sie nicht mehr durch das Tier reguliert werden kann und der Blutdruck sinkt. Das alles sind notwendige Vorgänge, damit die Tiere keine Schmerzen fühlen. Die andere Alternative wäre, das Tier bei vollem Bewusstsein Schmerzen zuzufügen.

Damit umgeht man zwar das Narkoserisiko, traumatisiert aber den Patienten sowohl psychisch, als auch körperlich, da sich der Körper schmerhafte Eingriffe sehr lange merken kann, ohne dass es äußerlich Zeichen dafür gibt.

Ihr denkt jetzt vielleicht, dass niemand so barbarisch handeln würde, doch ist es leider vielerorts noch vor wenigen Jahren üblich gewesen beispielsweise Kater so zu kastrieren. Wenn man davon ausgeht, dass Tiere dasselbe Schmerzempfinden haben wie Menschen, dann ist es glaube ich selbstverständlich, dass so etwas nicht unterstützt werden kann.

Das Risiko eines Zwischenfalls ist bei gesunden, jungen Tieren sehr gering und liegt in der Tiermedizin bei 0,1%. Das Risiko steigt ab einem gewissen Alter (ca. ab 8 Jahren haben Hunde und Katzen ein erhöhtes Narkoserisiko), mit schlechtem Gesundheitszustand und auch rassebedingt (kurznasige Hunde beispielsweise haben durch ihre Anatomie bereits ein erhöhtes Narkoserisiko).

In der höchsten Risikokategorie, die wir in der Tiermedizin in 4 Stufen unterteilen, haben wir ein Narkoserisiko von 1%.

 

Diese Zahlen machen deutlich, dass es sehr wichtig ist zu wissen in welchem Gesundheitszustand sich der Patient befindet, um vor einem nötigen Eingriff Maßnahmen ergreifen zu können, die das Risiko eines Zwischenfalls senken können.

Dazu gehört eine gute klinische Allgemeinuntersuchung, eine Blutuntersuchung, die die wichtigsten Organwerte, den Hämatokrit, die Entzündungszellen und die Elektrolyte umfasst, als auch gegebenenfalls ein Röntgenbild, ein EKG und eine Ultraschalluntersuchung sowie Blutdruckmessungen.

Je nachdem in welchem Gesundheitszustand sich ein Tier befindet, werden verschiedene Voruntersuchungen empfohlen.

Sollte trotz aller Vorkehrungen ein Narkosezwischenfall passieren, so ist es wichtig den Patienten die ganze Zeit unter guter Beobachtung zu haben, sodass dann sofort eingegriffen werden kann, um schlimme Folgen zu vermeiden. Diese Überwachung endet auch nicht nach der Narkose, sondern sollte fortgeführt werden, bis der Patient wieder komplett wach ist und die körpereigenen Regulationsmechanismen wieder voll greifen können. Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Besitzer gut informiert werden was vor und nach einer Narkose zu beachten ist, damit vermeidbare Zwischenfälle vermieden werden können.

Was machen wir im Kleintierzentrum, um das Narkoserisiko gering zu halten?

  • Zu allererst ist ein sorgfältige Voruntersuchung wichtig, um den Allgemeinzustand des Patienten beurteilen zu können, um dann ggfls. weitere Untersuchungen einzuleiten --> dazu gehört das Gewicht, das Alter, das Allgemeinbefinden, die Untersuchung des Herz- Kreislaufsystems, das Abhören der Herztöne, Abtasten der Bauchorgane und natürlich die Aufklärung über Maßnahmen, die vor der Narkose nötig werden (nüchtern lassen, letzte Fragen klären etc.)
  • Sollte das Tier älter sein (meist über 7-8 Jahre, je nach Größe des Tiers), empfehlen wir generell einen großen Blutcheck vorweg, da wir wissen, dass Organfunktionen wie die Entgiftung der Leber und der Nieren im Alter nachlassen und wir diese Leistungsfähigkeit von Aussen nicht beurteilen können. Und da Narkosemittel genau durch diese Organe abgebaut werden, ist ihre Funktionalität sehr wichtig, um ein eventuelles Narkoserisiko vorher schon zu kennen. Denn wenn wir wissen, dass ein Organ etwas schlechter funktioniert, können wir im Vorfeld schon unterstützende Maßnahmen ergreifen und auch die Wahl der Narkosemedikamente und die Nachsorge können sich ändern, denn wir haben kein Standard 0/8/15 Narkose, sondern passen unsere Medikamente individuell an.
  • Wenn wir dann noch weitere Hinweise finden, auf Organschäden, können noch weitere Untersuchungen nötig werden. So sollten Patienten mit einem auffälligen Herzgeräusch zuvor einen Herzultraschall erhalten, um die Funktionalität und Pumpleistung des Herzens beurteilen zu können. Auch da können wir bei schlechten Werten vor der Narkose unterstützen, damit das Risiko wieder sinkt dass das Herz in oder nach der Narkose versagt. Auch kann es nötig sein ein Röntgenbild der Knochen und Organe anzufertigen, um bessere Einblicke zu erlangen und eventuelle Tumoröse Geschehen oder andere Veränderungen an den Organen möglichst vor einer Narkose festzustellen.
  • Diese ganzen Untersuchungen sind also nicht unnütz oder überflüßig. Wir ziehen daraus unsere Schlüssel und können dann individuell beraten. Manchmal kann es sogar sein, dass wir dann von einer Narkose ganz abraten müssen, denn es geht natürlich immer um eine Abwägung von Kosten und Nutzen für das Tiere! Denn das sollte immer das Wichtigste sein. Wir wollen keine unnötigen Leiden oder Schmerzen entstehen lassen.

Wie läuft denn eine Narkose bei uns ab?

Der Ablauf einer Narkose ist natürlich wieder individuell. Generell sind aber einige Punkte immer gleich: 

  1. Zuerst werden unsere Patienten in einer ruhigen Atmosphäre bei ihren Herrchen und Frauchen sediert. Das bedeutet, dass sie ein Mittel bekommen, was sie beruhigt, damit wir ohne Stress die weiteren Schritte einleiten können. Dieses Verfahren kostet zwar Zeit, denn wir legen die Patienten nicht gleich mit Venenzugang schlafen, aber dadurch haben wir einen wesentlich entspannteren Ablauf für das Tier und sparen uns somit Narkosemittel, denn die Tiere sind weniger gestresst und ihr Kreislauf dadurch stabiler.

Nach einer gewissen Zeit – wenn der Patient entspannt ist – nehmen wir ihn mit nach hinten. Herrchen und Frauchen können sich jetzt verabschieden. Dort bekommen ALLE unsere Patienten einen Tubus, um die Atemwege frei zu halten und einen Venenzugang, um Medikamente und kreislaufstabilisierende Flüssigkeit intendieren zu können. Das ist wichtig, denn so wirken die Medikamente schnell und direkt und wir brauchen wieder weniger Narkosemittel, um einen Effekt auf den Körper zu erzielen. 

Die Chirurgin schaut sich die Tiefe der Sedation und die Vitalfunktionen an und entscheidet welche Maßnahmen fr die OP noch notwendig sind. Denn jetzt bekommen die Patienten Schmerzmittel, je nachdem wie groß und wie schmerzhaft der Eingriff wird, damit diese Medikamente ihre volle Wirkung entfalten, bis wir dann zur eigentlichen OP kommen.

Eine geschulte Anästhesiehelferin überwacht bereits jetzt die Vitalfunktionen des Tieres und schreibt diese in einem Protokoll auf. Sollten Unregelmäßigkeiten auftreten, werden diese sofort bemerkt und dementsprechend gehandelt. Und dann muss erstmal das OP-Feld vorbereitet werden (Rasur, Reinigung, Desinfektion)

Dann kommen die Patienten in den OP, wo ihre Überwachung durch moderne Geräte ergänzt wird und sie an eine Sauerstoffinhalation angeschlossen werden.

Zu der Überwachung zählen: 

  1. EKG
  2. Blutdruck
  3. Sauerstoffsättigung im Blut
  4. CO2 Messung in der Ausatemluft
  5. Pulsfrequenz
  6. Herzfrequenz

Die eigentliche OP kann beginnen. Auch während der gesamten OP schaut die Tiermedizinische Fachangestellte nach dem Patienten, während die Chirurgin operiert. Sollten hier Auffälligkeiten entstehen, wird sofort gehandelt! 

Aufwachen. Ist die OP erfolgreich beendet, wird die Wunde versorgt und der Patient in eine warme und ruhige Box gelegt, um in Ruhe und ohne Stress aufzuwachen. Je nach Fall geben wir ein oder zwei Gegenmittel gegen unsere Narkosemedikamente, was das Aufwachen erleichtert. Bis das Tier wieder bei Bewusstsein ist, verbleibt die Fachangestellte bei ihm. Auch dieser Schritt ist sehr zeitaufwendig, doch bei uns wird kein Tier in der Aufwachphase allein gelassen. Denn viele wissen nicht, das gerade diese Phase die kritische ist!! Es versterben mehr Tiere in der Aufwachphase, als in der Narkose selbst!! Daher ist es unverantwortlich! halb schlafende oder verwirrte Tiere abzugeben, um sie zu Hause oder beim Besitzer aufwachen zu lassen! 

Jetzt wird der Tubus gezogen, wenn das Tier von selbst wieder schlucken kann.

Meist rufen wir jetzt die Besitzer an, wenn wir abschätzen können, wie lange wir den Patienten noch beobachten wollen.

Erst wenn das Tier steht, sich orientieren kann und keine Anzeichen von negativen Nachwirkungen mehr zeigt, wird der Venenzugang gezogen und der Patient darf wieder nach Hause. Bis zu diesem Zeitpunkt (die Dauer ist sehr individuell) bleibt das Tier unter unserer Aufsicht, damit wir sofort handeln können, sollte etwas nicht normal verlaufen. 

Ihr seht: zu einer guten Narkose gehört einiges an Fachwissen, Zeit und Geräten dazu, doch die Sicherheit unserer Patienten steht für uns an oberster Stelle! Da wir viele aufwendige Operationen durchführen und auch gerade im Alter viele Patienten zu uns kommen, die eine OP benötigen, sind diese Maßnahmen absolut sinnvoll und unumgänglich, um gerade auch die älteren Patienten und die mit Vorerkrankungen optimal versorgen zu können!